Der Like-Button kann mir mal den Schritt pudern

Ein Blog-Eintrag von Ralf Schwartz und mein dazu gehöriger Kommentar inspirierte mich spontan, mich mal wieder über etwas aufzuregen: Blogs. Beziehungsweise die Betreiber von Blogs, die die Nerven der Leser strapazieren, indem sie uns Sachen aufzwängen, die uns einfach den Spaß nehmen. Dies ist ein Rant über Social-Network-Buttons auf Websites.

Der User ist dumm. Er steht vor einem Blog-Eintrag, der ihm gefällt und weiß nicht, wie er diesen an seine Freunde weiterleiten soll. Er hat es zwar geschafft, sich bei jedem Pissdienst einen Account anzulegen, diverse Desktop- und Mobile-Apps für Twitter, Facebook und Wasauchimmr anzulegen. Einen Link aus der Adressleiste heraus zu kopieren und diesen in ein Formularfeld einzufügen, da könnte man auch gleich Fahrrad fahren, obwohl man einen Führerschein besitzt.

Statt dessen bieten Blogbetreiber dem User unzählige Möglichkeiten, ihren unverzichtbaren Artikel mit einem Mausklick an achtzigtausend Kontakte gleichzeitig weiterzuleiten: Tweetmeme, Facebook Like, Flattr, Google, Drucken, E-Mail, Kondolenzbuch, Flaschenpost. Da weiß man nicht, wo man zuerst hinkotzen will. Zwölf Millionen verschiedene Farben, dazwischen ein wenig Text, unten ein paar Kommentare und überall diese beschissenen Google Ads, WO ICH NIE DRAUF KLICKEN WERDE! Und ganz bestimmt werde ich auch nicht für so einen Scheiß noch bei Flattr Geld ausgeben. Ich geb doch auch keinem Straßenmusiker Geld, der kein Talent hat und Klassiker verhunzt.

Oh Style, where art thou?

Was ist aus der Zeit geworden, wo man Websites und auch Blogs gestaltet hat und dabei einen großen Wert auf das Erscheinungsbild legte? Die gibt es einfach nicht mehr. Nur noch vereinzelt sieht man Blogs, die völlig frei von diesem Designdurchfall sind. Wie mein eigentliches Blog zum Beispiel. Und dieses hier hat gerade mal einen Tweetmeme-Button bekommen, womit ich damit lange gekämpft habe. Wahrscheinlich fliegt auch der wieder raus, denn den Sinn habe ich nie richtig verstanden, außer dass andere sehen, dass der Artikel voll wichtig sein muss, wenn eintausenddreihundertsiebenunddreißig Peepz den getwitt0rt haben.

Heute klickste dir in 2 Minuten ein Blog zusammen, wählst eins von zwölfzig Trilliarden Themes aus, die mindestens schon driebzig Fantastillionen mal verwendet wurden und klatscht diesem schnell noch eine Hand voll Social-Network-Scheiße an die Hauswand.

Für wie dumm hält mich der Betreiber eines Blogs eigentlich, dass ich nicht selber entscheiden kann, ob und wie ich einen Artikel weiterleite? Was sollen mir fünfzig Buttons sagen, außer: FINDE MICH GEIL UND SAG ES AUCH DEINER MUTTER! Ey, wer kein Copy+Paste kann, der soll lieber bild.de lesen. Oder sich das bit.ly-Bookmarklet installieren (Accounts anlegen scheint ja super zu klappen) und dann einfach BAM den Eintrag an alle die dich kennen sharen.

Kann man nicht einmal in Ruhe ins Internet?

Jetzt sind wieder alle überrascht, weil man heraus gefunden hat, dass Facebook nicht nur Daten per Like-Button von angemeldeten Nutzern sammelt. Es wird jeder Besucher ausspioniert, der eine Seite mit einem dieser blauen Kackbuttons besucht. Uuuuh! Und alle so: surprise! Die größte Datenkrake der Welt tut etwas böses? Dabei habe ich denen doch schon meine ganzen privaten Fotos geschenkt und teile denen meinen genauen Tagesablauf mit. Das ist so naiv, wie CDU und FDP wählen und dann glauben, dass danach alles besser wird.

Der unbedachte und inflationäre Gebrauch dieser ganzen Buttons bringt mich nur dazu, immer weniger Blogs zu lesen, geschweige denn deren Seiten zu besuchen. Nebst Google Analytics liest jetzt auch noch Facebook mein Surfverhalten aus. Ich komme mit dem Blocken gar nicht mehr hinterher, habe mir siebenundzwanzigtausend Firefox-Addons installiert, um halbwegs in Ruhe surfen zu können. Jetzt warte ich auf das Facebook-Update. Danke.

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